I N T E R V I E W S

Michael Landau Interview Gitarre & Bass 10/94

Michael Landau Gitarrist zwischen zwei Welten

Von Lothar Trampert
 

Ein Pop-Star ist Michael Landau mit Sicherheit nicht. Anderseits bekommt jeder Gitarrist leuchtende Augen, wenn der Name dieses Musikers faellt. Denn Landaus Instrumentalbeitraege haben unzaehlige Plattenveroeffentlichungen mitgepraegt; sein Name auf der Sidemenliste des CD-Booklets ist schon fast ein Kaufargument, wenn man Wert auf eigenstaendige wie handwerklich beeindruckende Gitarrenarbeit legt. Die Leser des amerikanischen "Guitar Player"-Magazines haben Landau uebrigends vor einigen Monaten zum "Best Studio Guitarist" des Jahres gewaehlt.

Wir trafen Michael Landau im Fruehjahr in seinem Haus in North Hollywood/Los Angeles. Morgens um 10 Uhr ist die Welt manches Musikers noch nicht so ganz in Ordnung; da hat man als frisch eingeflogener Europaer einen echten Jet-Lag-Auswaertsvorteil. Landau (35) gaehnt sich wach, erzaehlt von einem Gig am Abend vorher; nach und nach enfaltet er sein muedes Gesicht jedoch und hat auch keine Probleme damit, selbiges ablichten zu lassen. "Aber es ist grauenhaft, mich zu fotografieren", meint Michael. "Ich schneide dann immer diese Goofy-Grimassen, und das ist ziemlich bescheuert."

Story

Geboren gegen Ende der 50er Jahre hatte Michael Landau noch das Vergnuegen, die angeblich so goldene Bluetezeit der Rockmusik, von 1967 bis ´70, bewusst mitzuerleben. Als er seine Anfaenger-Gitarre, eine akustische Nylon-String, geschenkt bekam, verkaufte Jimi H. gerade seine ersten Platten in England. Und als Michael dann bereits kurze Zeit spaeter seine persoenliche Unplugged-Phase hinter sich gelassen hatte und zu einer Strat-aehnlichen Harmony-Gitarre wechselte, hatte er Hendrix´ Musik bereits gehoert und war infiziert. Daneben interessierten ihn bereits relativ frueh Musiker wie Jeff Beck, Joe Walsh, andererseits aber auch die fluessigen Linien einiger Jazzsaxophonisten.

Mit zwoelf Jahren lernte Michael dann Steve Lukather und Steve Porcaro kennen, mit denen er seit dieser Zeit befreundet ist; waehrend ihrer gemeinsamen High-School-Zeit spielten sie auch zusammen in einer Band.

Nachdem er sich selbst einige theoretische Kenntnisse angeeignet hatte, kam Landau auf Empfehlung von Steve Lukather auch an seine ersten groesseren Studio-Jobs; Luke, der bereits vor ihm in dieser Szene hyperaktiv war, begann sich in dieser Zeit vorrangig auf Toto zu konzentrieren. In Spitzenzeiten spielte Landau dann bis zu 15 Sessions pro Woche, heute ist er in der Auswahl solcher Jobs nach eigenen Angaben etwas kritscher geworden.

Neben seinen Studio-Aktivitaeten verfolgt Landau seit einiger Zeit auch wieder verstaerkt eigene Projekte. Zum Zeitpunkt des Interviews waren die Aufnahmen des zweiten Albums seiner Band "Burning Water", ,Mood Elevator´, gerade abgeschlossen; ebenso die Geschichte der seit Ende 1991 bestehenden Formation. Denn Michael hat inzwischen, zusammen mit seinem Bruder Teddy Landau (b) und Abe Laboriel Jr. (dr), schon wieder eine neue Band ins Leben gerufen, "The Raging Honkies" , von denen ebenfalls in einiger Zeit ein Album erscheinen soll. Mehr dazu im folgenden Gespraech.

Zu Burning Water noch einige interessante Anmerkungen: Das Quartett besteht neben Michael und Teddy Landau aus dem Saenger und Gitarristen David Frazee (hauptberuflich Projekt-Ingenieur für den Spielzeughersteller "Mattel") und dem Star-Drummer Carlos Vega. Zwischen Blues, Rock & Grunge-Anleihen bewegen sich die Songs, straighte Gitarren-Arrangements mit viel solistischem Freiraum fuer Michael sowie eine groovende Rhythm-Section machen diesen Sound zu allem anderen als dem beruehmten "Musician´s musician"-Geheimtip

Interview

G & B: Klaeren wir gleich zu Anfang mal, was an der Legende dran ist, dass Jeff Porcaro und David Paich vor vielen Jahren eine Muenze geworfen haben, um den richtigen Gitarristen fuer Toto zu finden. Zur Auswahl standen damals Steve Lukather und Du...

M.L.: Das ist so eine Geschichte... Ich weiss selbst nicht genau, was daran wahr ist. Sie haben es mir nie erzaehlt. (grinst) Das bleibt dann wohl ein Geheimnis.

G & B: Dein 1989er Album ,Tales From The Bulge´ war immerhin zwei Jahre nach Veroeffentlichung auch in Deutschland erhaeltlich. Fuer Deine letzten beiden Einpielungen mit Burning Water sucht ihr ebenfalls zur Zeit noch einen europaeischen Vertrieb. Wieso ist das selbst fuer einen Musiker mit Deinem Namen so schwierig?

M.L.: Eigentlich habe ich damals nicht sehr viel Energie in die Promotion fuer dieses Album gesteckt, weil ich bereits zu dieser Zeit die Idee hatte, mit einer Rock-Band zu arbeiten. Diese erste instrumentale CD war eher so ein Nebenprodukt. Das neue Burning-Water-Album wird ebenfalls wieder zuerst mal nur in Japan erscheinen.

Und jetzt versuchen wir meine neuen Band nach vorne zu bringen, "The Raging Honkies". Ich denke, dass wir mit dieser Formation auch eine bessere Verhandlungsbasis haben; Wir sind ein Trio, sind nicht verheiratet, haben keine Kinder also koennten wir direkt auf Tour gehen. Das war bei Burning Water alles nicht so einfach.

G & B: Was unterscheidet diese neue Band in musikalischer Hinsicht von Burning Water?

M.L.: Wir sind wie gesagt nur zu dritt, ich spiele Gitarre und singe auch; Abe und mein Bruder singen ebenfalls etwas.

G & B: Ueber die Musik dieser Band war einmal zu lesen, es sei "Blues with grungy overtones"; was bedeutet "Grunge" fuer Dich?

M.L.: (lacht) Grunge? Das steht meiner Meinung nach fuer einen dreckigeren, verrueckteren Sound. Ich mag Nirvana, aber sie wuerden mir auch gefallen, wenn sie nicht aus Seattle kaemen. (grinst) Aber Jimi Hendrix kam schliesslich aus Seattle, also mag ich auch den Seattle-Sound. Soundgarden finde ich gut, Alice In Chains  mir gefallen eine Menge Bands aus dieser Ecke. (lacht) Diese Kinder! Einige von ihnen sind gute Songwriter.

G & B: War Hendrix in seinen Live-Shows nicht vielleicht auch extrem grungy?

M.L.: Wenn Du ungestimmte Gitarren so bezeichnest, stimmt das. Viele gute Aufnahmen von ihm sind eben im Studio entstanden  live war das schon manchmal eine etwas andere Sache.

G & B: Andererseits konnte man dreckige Gitarren auch schon viel frueher hoeren; Interessiert Dich der "alte" Blues?

M.L.: Klar, Son House und solche Leute. Lightnin´ Hopkins mag ich z.B. sehr. Nasty, nasty stuff !

G & B: Jetzt haben wir zwei fuer Dich wichtige Einfluesse, "Hendrix" und "Blues" benannt. Welche Schallplatten waren fuer Dich als Gitarrist von Einfluss?

M.L.: Ein reines Blues-Album koennte ich dir jetzt nicht nennen, einmal abgesehen von einigen 40er/50er-Jahre-Aufnahmen von Lightnin´ Hopkins. Als ich zehn oder elf Jahre alt war, und mit der Gitarre anfing, war Hendrix einfach der Groesste ueberhaupt, und seitdem hoere ich seine Musik. Aber damals waren auch die Beatles sehr wichtig fuer mich. Und die Musik mit der man aufwaechst begleitet einen eben ein Leben lang.

G & B: ,Tales From The Bulge’ laesst vermuten, dass Du Dich auch fuer Jazz interessiert hast

M.L.: Als ich ungefaehr achtzehn Jahre alt war, wollte ich eine Zeitlang nur Jazz spielen, das war ganz verrueckt. Pat Martino, Pat Metheny, Allan Holdsworth diese Leute haben mich schon immer sehr interessiert.

G & B: Und wenn man sich noch ein paar Jahre weiter in Deiner Musik zurueckhoert, zu "Maxus" von 1981, entdeckt man wieder eine ganz andere Seite von Michael Landau.

M.L.: (lacht) Oh, Maxus ist schon eine ganze Weile her. Das war Westcoast-Sound, sehr leicht und locker.

G & B: Hoerst Du Dir diese aelteren Aufnahmen, an denen Du als Studio-Gitarrist beteiligt warst, noch gelegentlich an?

M.L.: Nicht mehr allzu oft. Ich habe vor einiger Zeit mit Joni Mitchell aufgenommen, und das wollte ich mir dann auch anhoeren, als das Album rauskam. (ueberlegt) Klar, wenn das ein cooler Kuenstler ist, hoere ich mir die CD spaeter natuerlich an.

G & B: Existieren denn viele Aufnahmen, die Du ueberhaupt nicht mehr hoeren moechtest?

M.L.: Yeah. Es existieren viele Platten, da wollte ich schon nichts von hoeren, waehrend ich im Studio stand, also waehrend ich spielte. Da gibt´s eine Menge ganz schoen schlechter Musik. Aber das ist OK, da brauchte ich eben einen Job.

G & B: Du warst einmal auf einem Album von Miles Davis zu hoeren. Wie sah diese Zusammenarbeit aus?

M.L.: Ich habe Miles ueberhaupt nicht getroffen und habe auch nur einen Track eingespielt. Das war in den Studios von George Duke, der diesen Titel produzierte. Miles war waehrenddessen in New York...

Fuer mich sind John Scofield und Mike Stern die besten Gitarristen, mit denen Miles gearbeitet hat. Sie sind beide unbeschreiblich...

G & B: Und Du hast auch mit B.B.King gespielt.

M.L.: Wir haben damals alle Tracks dieser Sessions live eingespielt, und B.B. kannte die Stuecke nicht, er hatte sie nicht selbst geschreiben. Arthur Adams, ein Gitarrist und Saenger, hat dann waehrend der Aufnahmen die Stuecke gesungen, B.B. hat live mit uns dazu gespielt und den Gesang spaeter neu aufgenommen.

Und das war eine tolle Sache mit Musikern wie Joe Sample, Jim Keltner und Freddie Washington zusammenzuarbeiten; und B.B. sass direkt einen knappen Meter neben mir. (lacht) Das war verrueckt!

G & B: Hast Du jemals verstanden, warum er diese alten Lab-Series-Transistor-Amps spielt?

M.L.: Das macht er? Damals im Studio hatte er einen Fender Super Reverb dabei. (grinst) und sonst spielt er also Lab-Amps. Ja, eah...sorry B.B.!

G & B: Eine weitere Band, die in Deiner Discografie auffaellt, sind die Yellowjackets.

M.L.: Das ist schon eine Weile her, und ich mag ihre letzten Alben eigentlich mehr, als die Aufnahmen mit Gitarre. Ihre Kompositionen gefallen mir heute auch besser.

G & B: Wie arbeitest Du mit Deinen eigenen Bands zusammen? Schreibst Du z.B. die Songs alleine zu Hause?

M.L.: Einige schreibe ich alleine, andere entstehen gemeinsam. Mein Bruder Teddy schreibt ebenfalls eigene Songs.

Die Texte sind mir auch mit der Zeit wichtiger geworden; ich will jetzt wirklich etwas damit ausdruecken, daher schreibe ich sie auch meist selbst.

G & B: Sind Deine Songs unter diesem Aspekt denn eher eine persoenliche Angelegenheit, oder hast Du eine Botschaft fuer den Rest der Welt?

M.L.: Nooooo. Gut, einige sind sehr persoenlich, andere haben aber etwas weitergehende Aussagen...

G & B: Als ich mir ,I Wish You Were Mine´, vom ersten Burning-Water-Album anhoerte, fiel mir das eigenartige ,Electric Lady Land-´Feeling der Produktion auf...

M.L.: (grinst) "Eigenartig"im positiven Sinne?

G & B: Klar. Und Du hast ja eben schon Deine Vorliebe fuer Hendrix Studio-Aufnahmen erwaehnt. Was hat Dich in dieser Hinsicht konkret beeinflusst?

M.L.: Mmmh, das ist schwer zu sagen. Ich habe bei diesem Song z.B. fuer die Tremolo-Sounds ein spezielles Geraet verwendet, einen "Tremulator" von Demeter, der sehr an den Effekt der Fender Amps angelehnt ist. Dieses Geraet gehoert zur Grundausstattung meines Pedalboards. Ich habe diesen Song auch nur mit einem Vibrolux-Combo eingespielt.

G & B: Hast Du auch schon einmal mit einem Leslie-Cabinet experimentiert?

M.L.: Yeah, ich habe mir gerade vor ein paar Monaten eins gekauft und es neulich auch mal bei einer Session eingesetzt. Bei den Aufnahmen mit Burning Water habe ich allerdings noch nicht damit gearbeitet.

G & B: Bei dem genannten Song ist auch eine backwards guitar zu hoeren. Hast Du diesen Effekt elektronisch erzeugt oder in Handarbeit?

M.L.: Wir haben das 2"-Tape auf die alte Art einfach rueckwaerts laufen lassen.

G & B: Welches Equipment verwendest Du zur Zeit, wenn Du zu einer Studio-Session gebucht wirst?

M.L.: Ich bringe dann immer meinen Custom-Audio-Preamp mit und eben diesen ganzen Standard-Kram: Lexicon-Delays, Eventide H 3000 usw. Daneben habe ich dann immer diverse Fender-Amps mit dabei (u.a. einen Pro Reverb und einen Deluxe; d. Verf.) ein 50 Watt "Plexi"-Top von Marshall (mit einer 4X 12"-Box bestueckt mit den originalen "gruenen" 25-Watt-Speakern; d. Verf.), das ich oft fuer Soli verwende, und solche Dinge eben. Die Amps werden auch immer mit Mikrofonen stereo abgenommen, D.I. spiele ich eigentlich nie. Ich habe immer ein Mikrofon vor dem Combo oder der Box und dann noch eins dahinter stehen, das out of phase geschaltet wird; das erzeugt einen fetten und natuerlichen Bottom-Sound.

Live verwende ich ebenfalls immer bis zu vier verschiedene Amps, ein kleines Bradshaw-Switching-System und einige Boden-Effekte: einen Tube Screamer, ein Voodoo 1 von Roger Mayer, einen Octaver von Tychobrahe, ein Wah-Wah-Pedal, einen Boss-Chorus, den Bob Bradshaw ins Rack eingebaut hat und den ich ueberwiegend fuer Vibrato-Sounds einsetze; dann habe ich noch ein Uni-Vibe, zwei Chandler-Delays usw....

G & B: Und wie sieht´s mit dem alten Fuzz Face aus?

M.L.: Ich habe es ausprobiert, aber fuer den Live-Einsatz verwende ich dieses Geraet selten, da sind sie etwas eigenartig zu handhaben. Ich benutze das Fuzz Face nur gelegentlich im Studio. (lacht) Live muss alles problemlos funktionieren, daher lasse ich lieber die Finger davon.

G & B: Das hoert sich alles sehr "vintage" und spartanisch an. Wie viele Gitarren nimmst Du denn zu einem Gig, z.B. mit den Raging Honkies, mit auf die Buehne?

M.L.: Nur zwei Strats. Ich habe eine Gitarre immer auf Es heruntergestimmt, bei einem Song brauche ich dann die normale E-Stimmung, wobei allerdings da wieder die tiefe E-Seite auf D gestimmt ist. Beide Gitarren sind Strats von Jim Tyler; Mit dem habe ich auch einen kleinen Endorsement-Deal...

Technische Stoerung

Beide von Michael erwaehnten Tyler-Strats sind mit Fralin-Singlecoils bestueckt. Ein Instrument hat einen Maple-Neck, einen goldlackierten Ash-Body und ein Wilkinson-VS-100-Vibrato. Die zweite Tyler-Gitarre hat ein Rosewood-Griffbrett, einen gruenlackierten Alder-Body und ein "Vintage Trem", ebenfalls von Wilkinson. Daneben besitzt Michael noch eine Tyler Studio Elite, bestueckt mit zwei Tyler-Single-coils, einem Fralin-Humbucker und einem Custom-made Mid-Booster/Preamp von Jim Demeter. Die Holzkonstruktion dieser Gitarre besteht aus einem Mamywo-Body (einem relativ leichten und harten Holz aus Suedostasien) mit Maple-Top und Hals.

Zu Landaus umfangreicher Equipment-Sammlung gehoeren u.a. noch sechs alte Fender-Starts aus den 50er und 60er Jahren. Sie stehen nach eigener Aussage fuer eine wiederentdeckte Vorliebe fuer einen puren Sound, "straight into the amp"

Weiter...

G & B: Wie viele Gitarren besitzt Du inzwischen insgesamt?

M.L.: Ungefaehr vierzig habe ich mittlerweile zusammen. Und darunter sind einige ganz schoene Teile.

Zusammen mit Burning Water habe ich im Studio auch noch einige alte Fender-Strats eingesetzt: Ich besitze u.a. eine ´64er die neue Buende bekommen hat  a snappy little thing! Die Saitenfuehrung auf der Kopfplatte habe ich entfernt, damit die Gitarre besser die Stimmung haelt. Der Winkel zwischen Sattel und Stimmechaniken ist auch so in Ordnung.

G & B: Welche Saitenstaerke bevorzugst Du?

M.L.: .011 bis .049. Yeaahhh! Damit hat man einen big sound. Dicke Saiten erzeugen eben einen fetten Ton.

G & B: Damit liegst Du dann ungefaehr zwischen Hendrix und Stevie Ray Vaughan...

M.L.: Stimmt. Ich habe zwar mal gelesen, dass Hendrix sehr duenne Saiten verwendet haben soll, .007er oder so etwas, aber das ist bei seinem Whammy-Einsatz so gut wie unmoeglich.

G & B: Bei ,Hot Blood´ vom Burning-Water-Debuet wird dieser Hendrix/Vaughan-Aspekt auch in musikalischer Hinsicht deutlich.

M.L.: Ja, diese typischen #9-Chords. (lacht) Diese Musik hat mich schon sehr stark beeinflusst.

G & B: ...was man bei Deinen Studio- und Sideman-Jobs nicht immer so deutlich heraushoert. Sind das zwei verschiendene Welten, in denen Du lebst?

M.L.: Sehr verschiedene Welten. Das eine ist ein Job fuer mich, da passe ich mich dem Sound an, den die Leute haben wollen diese typische Processor-Gitarre, dafuer mieten sie mich, wenn sie ein Pop-Album machen wollen. Und das ist nicht immer die Sache, die ich mag. Mir liegt ein straighter Gitarrensound mehr.

G & B: Wie sieht es mit dem Slide-Spielen aus?

M.L.: Mache ich gelegentlich; also ich bin kein richtiger Slide-Gitarrist, aber ich mag diesen Sound. Dabei verwende ich dann Open- und Standard-Tunings.

G & B: Gibt es denn sonst noch einige spektakulaere Geheimnisse, die Du verraten koenntest? Hast Du z.B. ein spezielles Rezept, was den Anschlag angeht?

M.L.: Nein... (ueberlegt) Gelegentlich drehe ich das Plektrum um, schlage also mit der dicken Seite an, um mehr Attack zu bekommen. Das hat einfach mehr "Fleisch".

G & B: Du hast u.a. auch die Musik fuer "Catwalk" eingespielt, eine TV-Serie ueber eine Band, die natuerlich "nach oben" will. Bestehen da grosse Unterschiede zwischen der Arbeit an einem Pop-Album und einem solchen TV-Soundtrack?

M.L.: In diesem Fall nicht, denn hier geht es ja um eine normale R & B- oder Rock-´n-´Roll-Band. Ich habe allerdings auch schon einige Film-Soundtracks eingespielt, aber das liegt mir weniger. Da muss ich zu viele Noten lesen.

G & B: Wie fit bist Du in dieser Hinsicht?

M.L.: Ich kann etwas lesen, aber wirklich nur ein bisschen...

G & B: Interessant, dass fast jeder bekannte Musiker angeblich nur ein "bisschen" Noten lesen kann.

M.L.: Bei den meisten Album-Jobs muss ich eben nur Chord-Charts, also Symbolschrift lesen und keine Noten. Das gefaellt mir besser, weil ich in diesem Bereich etwas kreativer sein kann, was z.B. die Gestaltung des Voicings angeht. Aber diese Arbeit an Soundtracks, wo man exakt vom Blatt spielen muss, finde ich grauenhaft.

G & B: Viele junge Musiker stellen sich die L.A.-Studio-Szene oft als eine Welt von Berklee- und G.I.T.-Akademikern vor...

M.L.: Theoriekenntnisse helfen einem Musiker mit Sicherheit weiter, und es gibt auch eine Menge ganz grossartiger Blattspieler hier. Paul Jackson Jr., mit dem ich sehr gerne Sessions spiele, ist ein hervorragender Notist so gut koennte ich nie werden. Oder auch diese ganzen Typen, die die TV- und Film-Sachen groesstenteils einspielen, John Guerin, Dean Parks, das sind hervorragende Notenleser.

G & B: Bereitest Du Dich sehr intensiv auf Recording-Sessions vor, wenn Du einen Auftrag bekommst?

M.L.: Ich habe nie vorher Lead-Sheets oder aehnliches zu Hause. Vorbereitung bedeutet fuer mich, herauszufinden, welches Equipment passen koennte. Ich muss also abschaetzen, ob ich es dabei mit jemanden zu tun habe, der eher auf pure Sounds oder auf Processor-Gitarren steht. Viele Leute moegen zur Zeit Vox-AC-30-Amps sehr...Gedanken ueber musikalische Dinge mache ich mir vorher nie, das passiert erst waehrend der Session.

G & B: Dann bleibt Dir bei dieser Arbeit also doch noch einiges an Freiraum?

M.L.: Die Lead-Sachen passieren immer spontan; ich arbeite meine Soli nie vorher aus.

G & B: Und wie viele Takes brauchst Du so im Durchschnitt bis eine Nummer steht?

M.L.: Das ist unterschiedlich: Manchmal sind es nur einer oder zwei, dann auch mal zehn. Anschliessend wird in der Regel gemeinsam entschieden, welcher Take letztendlich aufs Album kommt.

G & B: Sprechen wir mal kurz uebers Geld: Studio-Jobs sind fuer Musiker in Deiner Position wahrscheinlich lukrativer als Live-Gigs, Was verdient denn hier eine gute Top-40-Club-Band an einem Abend?

M.L.: Keine Ahnung. Aber es werden hoechstens ein paar hundert Dollar fuer die ganze Band sein. 30 bis 50 Dollar pro Nase und Abend sind wohl der Durchschnitt.

G & B: Und wie sieht es mit den Gagen fuer Studio-Musiker aus?

M.L.: Es gibt gewerkschaftlich festgelegte Tarife, an denen sich die Bezahlung orientiert. Ich habe ueber die Jahre immer mehr bekommen. Die meissten Gitarristen verdienen "Double Scale", wobei "Single Scale" fuer einen dreistuendige Session ca. 250 Dollar bedeutet. Ich kann in der Regel "Triple Scale" verlangen, jedenfalls fuer manche Platten...

G & B: Was war denn bisher Deine wichtigste Erfahrung als Musiker?

M.L.: (ueberlegt) Oh, das ist eine schwierige Frage; eine verrueckte Frage. (grinst) Aber eine gute verrueckte Frage! Die Musik kann dir eine Menge ueber das Leben sagen, einige grandiose Erkenntnisse vermitteln...

G & B: Fuehlst Du Dich als "lebendiger" Live-Musiker wohler als im Studio?

M.L.: Also, ich mag beides, das sind zwei verschiedene Aspekte meiner Arbeit. Im Studio probiere ich gerne viele Sounds aus, arbeite auf ganz unterschiedliche Art kreativ. Live ist dann alles wieder ganz anders; da kann man einfach nur versuchen, das Beste zu geben, was man in diesem Augenblick geben kann (lacht). Ich mag einfach beides.

G & B: Arbeitest Du gerne mit einem zweiten Gitarristen zusammen, oder machst Du lieber alles alleine?

M.L.: Ich mache es lieber alleine, denke ich. Natuerlich spiele ich auch gerne mal mit befreundeten Gitarristen, z.B. mit Chuck Kabooras.

G & B: Wie sieht der Markt fuer Stuido-Gitarristen zur Zeit aus?

M.L.: Ich spiele nicht sehr viele Sessions im Moment, und es gibt auch defenitiv weniger Moeglichkeiten, als z.B. noch vor fuenf Jahren. Es wird immer weniger und weniger...(leise) und ich wuerde am liebsten da ganz raus.

G & B: Wieso das?

M.L.: Klar, ich will da raus. Ich moechte mit einer Band arbeiten...

(Michael schuettelt den Kopf und giesst sich einen Kaffee ein; d. Verf.)

Lebst Du in Deutschland

G & B: Ja...

M.L.: (grinst) Und, wie gefaellt es Dir hier?

G & B: Gut. Aber ich glaube, als Mitteleuropaer hat man sich an Grenzen gewoehnt, vor allem an Stadtgrenzen. Und die scheint es ja hier nicht zu geben, soweit ich das nicht ueberblicken kann.

M.L.: (lacht) Das gibt´s hier nicht, da musst Du schon sehr weit fahren. Haeuser, Haeuser, Haeuser...

Welcome to L.A.! (Kopfschuetteln) That´s so mellow...

Nach dem Interview musste Michael direkt wieder zu einer Session fahren ("Irgendein fancy trendy L.A.-Movie-Star")  Job-Probleme hat dieser Musiker jedenfalls nicht.