I N T E R V I E W S

MICHAEL LANDAU & BURNING WATER - If  Licks Could Kill

Fast jeder hat ihn schon mal gehoert, den Studiogitarristen Michael  Landau aus Los Angeles. Auf unzaehligen Platten ist sein Spiel vertreten: Pink Floyd, Joni Mitchell, B.B. King, James Taylor, Richard Marx, die Liste seiner  Referenzen kann fast endlos fortgefuehrt werden. Aber nicht nur durch seine Sessions macht der 35-jaehrige zur Zeit von sich reden. Seine Band Burning Water  veroeffentlichte im letzten Fruehjahr das gleichnamige Debuetalbum - bislang  jedoch nur in Japan. Es erscheint allerdings schwer vorstellbar, dass das  musikalische Potential von Mike, seinem Bruder Teddy am Bass, Schlagzeuger Carlos Vega und Saenger David Frazee in Deutschland und den USA verkannt werden sollte. Der rauhe und Blues-getraenkte Rock'N'Roll von Burning Water duerfte fuer jede Plattenfirma ein Gewinn sein!

VON CHRISTIAN TOLLE

Fuer samstags abends ist wenig Verkehr auf dem Sunset Boulevard in Hollywood.  Das taeuscht, denn in L.A. pulsiert das Nachtleben wie nur in ganz wenigen Metropolen dieser Welt. Unzaehlige Bands in einer schier unueberschaubaren  Clublandschaft spielen, warten und hoffen auf den Durchbruch. So auch Burning Water. Nimmt man die ueberwaeltigenden Resonanzen aus dem Land der aufgehenden  Sonne als Indikator, so scheinen weitere internationale Erfolge in greifbarer Naehe.

Im Club Lingerie auf dem Sunset Blvd. traf ich Michael und Burning Water. So konnten wir in aller Ruhe ueber Mikes Werdegang, seine Studio-Jobs und mit der gesamten Band ueber das Burning Water Debuet und die Zukunftsplaene  plaudern.

MICHAEL LANDAU

Gab es einen bestimmten Anlass, der in dir den Wunsch weckte, Musik zu machen?

Beide meiner Onkel spielten Gitarre. Sie beschaeftigten sich sehr viel mit Musik und da sie haeufig Beatles-Songs zum Besten gaben, hing ich oft bei meiner  Grossmutter ab. Dadurch bin ich inspiriert worden. Als ich zehn oder elf war, schenkte mir meine Mutter zu Weihnachten eine Akustikgitarre, so eine mit  Nylonsaiten, weisst du. Als ich einige Zeit spaeter eine E-Gitarre bekam und Jimi Hendrix hoerte, dachte ich nur: Was zum Teufel ist das?

Kannst du dich noch an deine erste Gitarre erinnern?

Ich glaube es war eine Harmony. Keine Stratkopie, aber ein wenig in diese  Richtung. Ich wuenschte, ich haette sie noch - it was kind of cool!

Jimi Hendrix war also dein Haupteinfluss...

Yeah! Frueher und auch heute noch. Als er in den Sechzigern populaer wurde,  war ich acht oder neun Jahre alt. Ich erinnere mich noch genau wie ich ihn hoerte, er machte so unglaubliche Dinge mit seiner Gitarre - still amazing.  Ausserdem bin ich ein grosser Fan von Musik im allgemeinen. Ich liebe Jazz,  Saxophonisten zum Beispiel haben Einfluss auf mein Spiel. Jeff Beck, Joe Walsh, die mag ich auch sehr gerne. Als ich 18 war, habe ich nur Jazz gehoert und  gespielt. Zu der Zeit konnte ich mit Rock gar nichts anfangen.

Mit Steve Lukather von Toto verbindet dich seit deiner Jugend eine enge  Freundschaft, nicht wahr?

Yeah, ich traf Steve zum erstenmal als ich zwoelf war. Er ist ein Jahr aelter  als ich. Durch ein paar Kumpels an der Schule habe ich ihn kennengelernt. Wir hingen oft zusammen, spielten aber erst in der High-School zusammen in einer Band. Steve Porcaro war da ebenfalls mit dabei...

Wolltest du damals schon Studiomusiker werden?

Nein, zuerst habe ich gar nicht verstanden, was das ist, Sudiomusiker. Als wir 15, 16 waren haben wir uns ueber die damaligen Sessionmusiker nur lustig  gemacht. In unseren Augen waren das nur Instrumentalisten, die irgendetwas vom  Blatt spielten.

Schliesslich bist du aber in diese Szene hineingekommen. Musstest du Noten lesen lernen?

Ich habe einmal einen Anfaenger-Kurs belegt. Noten lesen habe ich mir - davon  mal abgesehen - selbst beigebracht. Allerdings bin ich kein guter Notist, muss ich auch gar nicht sein, denn ich habe so gut wie nie auf Jingles, Werbespots oder Filmusik gespielt. Da sind Notenkenntnisse unabdingbar. Heute buchen mich die Leute fuer meinen kreativen Einfluss auf einer Platte. Dabei ist kaum etwas  ausnotiert.

Ich schaetze es gibt eine Menge Leute, die Studiomusiker werden wollen.  Entsprechend hoch ist der Wettbewerb untereinander. Wie hast du den Sprung zum  First-Called® Sessionmusiker geschafft?

Steve (Lukather) begann vor mir Sessions zu spielen. In der Zeit als sich  Toto formierte machte Steve alles. Er spielte so viel er nur konnte. Als es mit  Toto dann aufwaerts ging, wurde er waehlerischer und spielte nur noch die Sessions, die er unbedingt machen wollte. Da jetzt Platz fuer jemand anderes war, empfahl Steve mich an die Produzenten, die mich wiederum untereinander  weiter empfahlen - so eine Art Mund-zu-Mund-Propaganda. So gesehen war Steve  eine Riesenhilfe, denn er oeffnete die Tueren fuer mich.

Hattest du da schon diesen breiten musikalischen Background, um auf so verschiedenen Platten spielen zu koennen?

Man lernt waehrend man spielt, und von den Erfahrungen, die man bei den  Sessions macht. Das ist eine der guten Seiten, wenn man mit so vielen und verschiedenen Kuenstlern zusammenarbeitet. Man bekommt eine Erziehung waehrend man mitten drin ist. Bei einer Session fuer Joni Mitchell entdeckte ich ganz verrueckte Tunes, von denen ich nie geglaubt haette, dass es die ueberhaupt  gibt. Kuerzlich war ich mit James Taylor unterwegs. James ist ein fantastischer  Akustik-Gitarrist. Ich habe es sehr genossen mit ihm zu spielen und eine Menge  dazugelernt. Es waere unmoeglich alle Stile vorher zu studieren und dann zu  sagen, "ich werde jetzt Studiomusiker"

Weisst du ungefaehr auf wievielen Platten dein Spiel zu hoeren ist?

Puuh! Ich habe keine Ahnung. Wow...(ueberlegt), ich mache das seit zehn  Jahren. Zu den Spitzenzeiten habe ich 15 Sessions pro Woche gespielt. Eine  Session dauert drei Stunden. Heutzutage bin ich immer noch gut beschaeftigt,  aber ich suche mir die Jobs sorgfaeltiger aus.

Hattest du jemals das Gefuehl ausgebrannt zu sein?

Klar, aber da ich nie so viel Filmmusik und TV-Jingles etc. gemacht habe - wie ich schon sagte - hielt es sich noch in Grenzen. Diese Arbeiten brennen  einen mehr aus. Sie sind wirklich nur ein Job. Da sitzt dann einer, der deine genaue Zeit abstempelt... So was koennte ich nicht. Bei Aufnahmen fuer eine Platte kann man seinen Input einbringen und manchmal macht es richtig Spaá.

Grossen Einfluá hat der Produzent. Wie kann er aus dir die bestmoegliche  Performance herauskitzeln?

Eine prima Basis fuer eine gute Zusammenarbeit ist meine persoenliche  Freiheit. Wenn man mir ein bisschen Platz fuer meine Kreativitaet gibt, anstatt mir zu sagen "ich will dies, das und jenes". Das kommt natuerlich auch vor, und  es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, als koenne ich so nicht arbeiten.  Das geht auch, macht aber nicht so viel Spass.

Platz fuer eigene Kreativitaet in einer Session-Situation: Sind das fuenf, sechs Spuren, auf denen du spielen kannst, was dir gerade in den Sinn kommt?

Genau, so ist es mittlerweile am haeufigsten. Sobald man einen passenden Sound gefunden hat, hoert man sich den Song an. Falls der Produzent oder der  Kuenstler irgendwelche bestimmten Vorstellungen haben, bespricht man diese und  ich mache Vorschlaege, die dann ausprobiert werden. Manchmal passen die Ideen auf Anhieb. Wenn nicht, spiele ich etwas anderes.

Welche Sessions haben dir am meisten Spass gemacht?

Die Arbeit mit Joni Mitchell hat mir viel Freude bereitet. Es sind immer wieder mal Sessions dabei, die richtig gut laufen. Fuer Pink Floyds A MOMENTARY LAPSE OF REASON habe ich auf einem Song mitgewirkt. Das war ein Rhythmuspart mit viel Delay, den David Gilmour nicht spielen wollte. Oder B.B. King: Auf seiner letzten Platte bin ich auch vertreten. Das war unglaublich. B.B. kannte nicht mal das Songmaterial. Er hatte da einen Typen, Arthur Adams. Der spielte Gitarre  und sang, so dass B.B. den Songverlauf mitbekam und die richtige Tonart erwischte. Dabei spielte B.B. zu keiner Zeit Rhythmus, sondern sass nur da und  warf immer mal wieder ein paar Noten ein, waehrend die Aufnahmen vor sich gingen. Joe Sample, Jim Keltner, Freddy Washington und ich sassen drei Fuss  daneben und spielten was das Zeug hielt.

Also eine richtige Live-Situation...

Yeah, es kamen nur noch einige wenige Overdubs und ein paar Gesangsparts dazu.

Live mit einer Session-Band aufzunehmen ist fuer dich aber nicht die Regel,  oder?

Live aufzunehmen ist heute wieder sehr populaer. Bis auf wenige Ausnahmen  sind Sessions aber nur Overdubs, just me!

Sicher kam es auch vor, dass du Ideen zu einer Musik entwickeln musstest, die  du ueberhaupt nicht leiden konntest, nicht wahr?

Klar, ich sah zu, dass ich fertig wurde und so schnell wie moeglich raus kam.  Viele meiner Sessions deckten sich nicht mit meinem Geschmack. Bisher war es  aber noch nie so uebel, dass ich mit jemand Streit bekam. Meistens haben die  Kuenstler eine grobe Vorstellung ueber Sounds und Gitarrenparts. Ich spiele dann eben das, was sie wollen.

Bist du dann nicht in einer aehnlichen Situation, ueber die du dich als  Jugendlicher lustig gemacht haettest?

Well, kann schon sein... Aber ich muss von etwas leben!

Auf deinem Soloalbum TALES FROM THE BULGE heisst ein Song I'M HATING. Unter  der Musik sind Wortfetzen zu hoeren, die wie typische Produzenten-Phrasen klingen. Ist der Song auf deine Arbeitgeber gemuenzt?

Interessant, was du da sagst. Aber darum geht es gar nicht. Wir haben einige Sequenzen aus alten Bootleg-Tapes unter die Musik gelegt, von Buddy Rich glaube  ich und noch einigen anderen. Das war mehr zum Spass, dadurch sollte niemand mit Schlamm beschmissen werden.

Nochmal zu deiner Soloplatte: Dort praesentierst du diese typischen  Gitarren-Rack-Kuehlschrank-Sounds, fuer die du bekannt geworden bist. Darueberhinaus zeigst du dich dort von deiner jazzigen Seite. Mit Burning Water  ist dein Sound straighter und du spielst dreckiger. Wie stehst du heute zu TALES  FROM THE BULGE?

Ich habe Phasen durchlaufen, in denen ich mich ausgiebig mit Jazz und  Instrumentalmusik beschaeftigt habe. Ich meine nicht Fusion, sondern  Instrumentalmusik wie von Weather Report oder Jeff Beck zum Beispiel. Alle Songs  auf TALES FROM THE BULGE stammen von mir. Die Scheibe drueckt ein Stueck meiner  musikalischen Persoenlichkeit aus, auch wenn ich mit Burning Water einen viel  geradlinigeren Sound habe.

Wuerdest du eine weitere Soloplatte in naeherer Zukunft machen wollen?

Gern, aber im Moment gibt's fuer mich nur Burning Water. Das Ding will ich jetzt ans Laufen bringen...

Im Verlaufe deiner Karriere als Sessionmusiker konntest du dein Talent fuer  diese Art des Blues und Rocks gar nicht zeigen. Ist das Spiel in Burning Water Neuland fuer dich?

Das ist die Art von Musik mit der ich gross geworden bin, wie Hendrix oder Cream. Schon mit 16 habe ich so gespielt. Damals war ich richtig gut, denn ich konnte einige Sachen von Hendrix kopieren. Ich wollte immer schon so eine Band haben...

Warum hast du dann so lange gewartet und Burning Water erst Jahre spaeter ins  Leben gerufen?

Hmm...(ueberlegt lange). Gute Frage! Es ist schwierig sich die Zeit fuer so  eine Sache zu nehmen. Schliesslich will ich meine ganze Kraft in diese Band  investieren... Es hat sich so ergeben. Ich weiss, dass ich nicht so lange haette  warten sollen. Dennoch bin ich mit der Situation zufrieden.

Wie wichtig ist Equipment fuer dich und dein Spiel?

Equipment ist sehr wichtig. Mittlerweile sammle ich Gitarren und seit ein  paar Jahren auch Amps. Es ist ein Hobby von mir.

Da duerftest du mittlerweile einen ganzen Laden besitzen...

I got some shit! Sechs Vintage-Strats sind Teil meiner Sammlung. Einige sind aus den Fuenfzigern, ein paar aus den Sechzigern. Die weisse Strat, die ich mit  Burning Water spiele, ist von 1964. Ich bin sehr bemueht die ganzen Sachen gut  in Schuss zu halten. Hier und da werden ein paar Parts gewechselt, so dass die  Gitarren und Amps immer  gut klingen. Das bedeutet nicht, dass ich an den Teilen  Modifikationen vorneheme... Mittlerweile habe ich den direkten Sound - mit der  Gitarre direkt in den Amp - wiederentdeckt. Das gibt einen frischen und schoenen  Ton. Es macht mir einfach Spass am Sound zu tuefteln, so spiele ich zur Zeit mehr denn je.

Sind die Zeiten monstroeser Rackanlagen fuer dich vorbei?

Als damals Police mit diesen Effekt-beladenen Sounds rauskamen, war das etwas  Neues. Es klang ueberwaeltigend und jeder wollte so etwas machen - ich auch! Also habe ich mit Bob Bradshaw zusammengearbeitet, um viele verschieden Sounds zu kreieren, was auch sehr fruchtbar war. Das Leben hat viele Gesichter und als  Musiker oder Kuenstler durchlaeuft man verschiedene Phasen. Vielleicht komme ich  endgueltig zu einem traditionellem Sound zurueck, im Moment sieht es so aus...  Bei den Sessions setze ich aber neben Combos oder Topteilen immer noch  Racksyteme ein, etwa fuenfzig/fuenfzig. Ich bringe zusaetzlich noch Effektpedale wie Fuzz-Boxes, Tremolo-Boxes und ab und zu mein Leslie mit. Kommt drauf an, welche Sounds die Leute haben wollen.

Was steckt in diesem Rack?

Ich habe diesen dreikanaligen Custom Audio Electrics Vollroehren Preamp von  Bob (Bradshaw). Mein VHT Classic Poweramp bringt in dieser Kombination einen  ausgezeichneten Sound. Wenn die Verkabelung stimmt, muss ein Racksystem nicht zwangslaeufig schlecht klingen. Hat man eine gute Preamp/Endstufen Kombination und laesst man die Effekte aus dem Signalweg, kann man einen genauso guten Sound  bekommen, wie mit einem ganz normalen Amp - eben mit einer grossen Effektschleife. Es kommt immer darauf an, wie man ein Racksystem einsetzt, und wieviel Zeug man nutzt.

Du gehoerst zu den Gitarristen, die ihren Namen fuer ein Signature Modell zur  Verfuegung gestellt haben. Dabei ist die James Tyler Michael Landau Signature allerdings auf 100 Stueck limitiert. Welche Geschichte steckt dahinter?

Um ehrlich zu sein, ich wollte eigentlich kein Signature Modell. Ich gehoere zu den Typen, die solche Gitarren albern finden. Aber da ich schon seit vielen  Jahren mit James Tyler (Gitarrenbauer in Van Nuys/CA, Portrait in diesem Heft,  Anm. d. Autors) zusammenarbeite und eine Menge seiner Gitarren spiele, half er mir bei der Suche nach einer traditionellen Gitarre, die trotzdem modern ist. Wir entwickelten daraufhin dieses, an der Strat angelehntes Modell - ohne Floyd Rose und diesen ganzen Schnick-Schnack. Aufgrund der abgefahrenen  Vomit-Lackierung verbindet die Gitarre dennoch zwei Welten: Sie hat Vintage- und  Hot-Rod-Flair. A pretty cool guitar!

BURNING WATER

Was hebt Burning Water aus der Masse? Blues und Rock ist schliesslich keine  Neuheit. Aber halt! Zuerst muessen den Landau Bruedern und den Herren Vega und  Frazee nach dem gesehenen Gig in Hollywood ein schier unglaubliches  musikalisches Gespuer attestiert werden. Selten hat der Autor eine Band mit soviel Energie und Seele gesehen. Dabei stellt Mikes Spiel fuer jeden Gitarrengourmet einen Leckerbissen dar. Diverse GIT-Studenten standen mit  offenem Munde da!

Die Songs von Burning Water haben zudem progressiven Charakter. Blues with grungy overtones scheint eine passende Beschreibung eines ebenfalls faszinierten Zuhoerers zu sein. Denn Burning Water kommen ohne die typischen Klischees, die im Bluesmetier so haeufig zitiert werden, aus. Das macht sie anders - und  interessant. Dabei haben die Japaner am schnellsten geschaltet. Mit grossem Erfolg, denn die Debuet CD (ueber den Importweg auch in Deutschland erhaeltlich, Anm. d. Autors) ist dort eingeschlagen wie eine Bombe. Nun kann man einwaenden,  Japan sei nicht die USA und schon gar nicht Deutschland. Aber wer zum Beispiel in Stevie Ray Vaughan den ultimativen weissen Blues sieht, sollte mit der  ebenfalls dreckigen Spielart von Mike und seinen Mannen auf jeden Fall warm werden.

Ein anderer prominenter Mitstreiter ist Drummer Carlos Vega. Auch er gehoert zur L.A.-Studioszene und ist auf vielen Produktionen zu hoeren. Carlos und Michael formierten die Band vor etwa vier Jahren. Bassist Teddy Landau und Saenger David Frazee haben vorher in Clubbands gespielt und geben dem Quartett durch ihren ungebremsten Hunger die noetige Mischung aus Erfahrung und Spontanitaet...

(Mike) Carlos und ich begannen, an verschiedenen Ideen zu basteln. David lernte ich kennen, als ich auf seinen Demos spielte. So war der  Saenger schnell ausgemacht. Zuerst probten wir in Teddys Garage...

(Teddy) Bis sich die Nachbarn beschwerten und wir unseren Proberaum dort aufgeben mussten.

Gibt es bei euch einen Bandleader, der die Hauptverantwortung fuer das Songwriting und die Zuegel in den Haenden haelt?

(David) Da gibt's keine Regeln, jeder kann seinen Input einbringen.

(Carlos) Meistens kommen die Ideen durch blosses Jammen im Proberaum. David  hat dann schnell einige seiner Textvorstellungen zur Hand. Oder Mike und David  haben im Vorfeld schon einen Song erarbeitet, an dem dann zusammen gefeilt wird. Teddy wirft ab und zu prima Vorschlaege ein.

(Teddy) Du kannst irgendeinen Song herausnehmen, jeder hat eine eigene Geschichte.

Wieviele Songs habt ihr insgesamt?

(David) Etwas ueber dreissig, von denen wir aber nur zwanzig spielen. Die  anderen zehn haengen einem im Laufe der Zeit zum Hals raus. Sie werden schlicht  langweilig oder repraesentieren uns nicht mehr. Ausserdem kommen neue Songs  dazu. Man kann sagen ein fester Stamm, oben kommen neue Songs dazu und unten  fallen ein paar Titel weg - some heavy rotation!

Steckt hinter dem Line-Up ein wenig Kalkulation: Mit David und Teddy sind  schliesslich zwei unbekannte Musiker in der Band, die dazu beitragen, dass Burning Water nicht das Image einer reinen Sessionmusiker-Band uebergestuelpt  wird?

(Carlos) Da steckt keine Absicht hinter, es hat sich einfach so ergeben.

(Mike) Die richtige Kombination und eine perfekte Bandchemie...

(Teddy) Michael und Carlos kennen sich schon seit der High-School und ich bin  Mikes Bruder, ich kenne ihn schon seit meiner ersten Sekunde. Als wir nach einem Saenger Ausschau hielten, liefen keine Auditions oder aehnliches. David war der  erste, der zur Debatte stand und mit ihm haben wir jemanden gefunden, der optimal zu uns passt.

(Mike) Anfangs haben wir nur zum Spass gespielt, ohne profesionelle  Absichten. Da haben wir uns keine Gedanken ueber ein Image gemacht.

(David) Unser erster Gig war eine Halloween-Party...

(Teddy) ...Bei mir im Wohnzimmer.

(Carlos) Davor haben wir ein Jahr lang nur gejammt und eine gute Zeit  gehabt.

(Mike)...Und ein paar Bier (lacht)!

(David) Unser erster professioneller Gig war im Palamino (Club in North  Hollywood, Anm. d. Autors)

Habt ihr euch dann sofort auf die Suche nach einem Platten-Deal gemacht?

(Teddy) Erstmal spielten wir nur. Etwa ein Jahr nach diesem Palamino-Gig wurden unsere Absichten ernster. Wir klapperten die ganze Clublandschaft ab. Es kamen immer mal wieder Leute zu uns, die Interesse zeigten. Es ist aber nicht  so, dass wir allem und jedem hinterherrennen, nur um irgendeinen Vertrag zu bekommen.

(Carlos) Diese Japan Sache war grossartig, denn die sind zu uns gekommen.

(Mike) Wir schickten ihnen ein paar Baender, woraufhin sie uns die CD anboten  und uns fuer zwei Shows rueberflogen.

(Carlos) Die Japaner gaben uns einen Vorgeschmack, wie es einmal sein  koennte. Jetzt wollen wir nichts anderes mehr (lacht herzlich).

(Mike) Wir wurden wie die Goetter behandelt, flogen Business-Class...

Werdet ihr noch eine weitere Platte fuer die Japaner machen?

(David) Tatsache ist, dass dort grosses Interesse besteht, und wir im Moment an einer EP-Sache arbeiten.

(Teddy) Zur Zeit stecken wir wieder in den Aufnahmen. Wir nehmen eigentlich  staendig auf, damit wir im Falle einer Veroeffentlichung direkt etwas haben.  Diese Aufnahmen haben aber keinen Democharakter. ueber das Demostadium sind wir hinaus. Jeder Song, den wir aufnehmen, koennte auch so auf CD gepresst werden.

(Mike) Dabei produzieren wir groesstenteils in meinem Studio zu Hause.

Ich hoerte, Dave Jerdan (unter anderem Produzent von Alice In Chains, Anm. d.  Autors) hat grosses Interesse an euch...

(Mike) Ja, das stimmt.

(David) Unser erstes Treffen mit Dave Jerdan war reizend. Wir hatten ein grossartiges Gespraech mit ihm auf seiner Terasse in einer Mosquito-reichen  Nacht. Wir unterhielten uns ueber unsere Musik und die beiderseitigen Vorstellungen. Sein Job bestaende darin, das auf's Band zu bringen, was wir live spielen.

(Teddy) Dave sagte etwas interessantes. Wenn er eine Band produziert, moechte  er das Gefuehl haben, selbst in dieser Band spielen zu wollen - that sounded cool to me!

Wenn Dave Jerdan bei euch hinterm Pult saesse, wuerde das euren Stil aendern?

(Alle zusammen) No...

(Carlos) Keiner der Leute, die an uns herangetreten sind, waren interessiert daran, unseren Stil zu aendern. Sie moegen uns gerade deswegen! Die Rolle eines Produzenten besteht darin, den Ueberblick ueber das Ganze zu behalten. Da wir so tief involviert sind, ist dies nicht immer leicht.

(Teddy) Es geht nicht darum, dass uns ein Produzent sagt, was wir zu spielen haben. Meist sind es Kleinigkeiten, bei denen wir uns nicht ganz sicher sind.  Manchmal kriegen wir uns ueber ein Reverb oder Delay in die Haare (lacht).

(David) Es kommt auch immer auf die jeweilige Einstellung an. Zum Beispiel war da ein Typ - kein Produzent, sondern ein A&R Manager - der meinte allen Ernstes, wenn wir einen Rap-Teil in die Mitte eines unserer Songs einbauen wuerden, haetten wir den ultimativen Hit.

(Carlos, ganz verwundert) Das habe ich gar nicht mitbekommen - unglaublich.

(David) Ausserdem fragte er uns, ob wir nicht schonmal daran gedacht haetten,  einen Organisten in die Band zu holen.

(Teddy) Beilaeufig erwaehnte er dann, dass er Orgel spielen koennte...

Ich frage mich, warum es mit den Kontakten die Mike, Carlos und Dave Jerdan  haben, bislang noch nicht zu einem Vertrag gelangt hat?

(Teddy) Du wunderst dich nur, schau dir unsere Koepfe an, die rauchen...

(Mike) Mal im Ernst. Unsere Zeit wird kommen, wir wollen ja auch nicht irgendeinen Deal. Wir sind alle schon lang genug dabei, um zu wissen, wo es langgeht. Es sind genuegend Interessenten da. Man soltte nicht ueberstuerzen.  Ich mache mir ueber unsere Zukunft keine Sorgen.

Welche Plaene bestehen fuer Europa?

(Mike) Im Moment verhandeln wir ueber einen Lizenzdeal fuer die Japan CD   sieht ganz gut aus. Wir wuerden auch gerne bei euch spielen. Sobald die CD  draussen ist, werden  sicher einige Tueren offen stehen  vielleicht schon vorher, wer weiss ?

Dass Mike und Carlos gut von ihren Sessions leben koennen ist klar. Burning  Water duerfte nicht viel abwerfen. Teddy und David, habt ihr eine geregelte Arbeit?

(Carlos) Ich habe heute morgen auf einem Ford-Jingle gespielt  das is eine geregelte Arbeit (lacht) .

(Teddy) Manchmal arbeite ich auch fuer Ford, allerdings am Autotuning. Mike  ist Kunde von mir. Ansonsten bin ich Roadie fuer einen Mietservice, schleppe  Equipment in  die Studios und wieder raus...

(David) Ich habe seit laengerer Zeit einen klassischen Karriere-Job (zoegert)  . Soll ich es ihm sagen?

(Mike) Ich will nicht fuer dich sprechen...

Raus damit!

(David) na schoen, ich bin Projekt-Ingenieurfuer Mattel Spielzeuge  laeuft das Band noch? Falls noetig , waere ich fuer Burning Water bereit, den Job an den Nagel zu haengen.